Vorbei am Türsteher des Unterbewusstseins

Vorbei am Türsteher des Unterbewusstseins

Hypnosetherapeut Tomas Schröck navigiert Patienten auf der Reise durch ihr Unterbewusstsein und kann sie dadurch von Ängsten und Lastern befreien.

Bässe wummern durch die Fassade. Das Gebäude wippt im Takt. Am Einlass: eine Menschenschlange – und der Türsteher. Sein Auge ist geschult. Wen er nach Hause schickt und wen er passieren lässt, entscheidet ein erster Impuls. Ganz ähnlich funktioniert auch unser Gehirn, sagt Hypnosetherapeut Tomas Schröck. Bei dem Leipziger kommt man ganz einfach durch die Tür. Der staatlich zertifizierte Heilpraktiker in der Leipziger Südvorstadt arbeitet in einem hellen, sachlich gehaltenen Büro, das auch einem Architekten gehören könnte. Wo sind die Glaskugeln, die schweren Samtvorhänge? „Die typischen Vorstellungen über Hypnose kommen von Halbwissen und inszenierten Bühnenshows. Mit seriöser Therapie hat das nichts zu tun“, sagt der 42-jährige Spezialist fürs Unterbewusste.

Einlass in den Club der Gedanken Hypnose ist ein Entspannungszustand, den das Gehirn täglich sogar selbst herstellt. Beim Gemüseschneiden oder beim Joggen zum Beispiel. „Entspannt wirkt das Gehirn wie ein Schwamm, den man aus einer Schraubzwinge befreit. Die Poren weiten sich und werden zugänglich für neue Inhalte. Und genau hier setze ich als Hypnosetherapeut an.“ Gemeinsam mit dem Klienten stellt Schröck Entspannungszustände her, die den Türsteher vor dem Tanzclub des Gehirns überlisten und die Tür in den Club der Gedanken öffnen sollen.

Wünsch dir was beim DJ

Doch weshalb möchte man da überhaupt hinein? „Weil man zum DJ ans Pult will, um mit ihm über die Musik zu verhandeln“, sagt Schröck. Der DJ spielt ein bestimmtes Programm ab: der Sound unseres Verhaltens, bestimmter Störungen, Zwangsgewohnheiten, Traumata oder Ängste, eingespielt von gelernten Mustern in der Vergangenheit. Denn das Gehirn ist ökonomisch. Was es gelernt hat, verwandelt es in Routinen.

Manche davon sind nützlich für das Leben, andere behindern oder belasten uns eher. Kann man also dem DJ neue Schallplatten anpreisen, damit sich der Groove des Bewusstseins ändert? Ja, kann man, sagt der Hypnosetherapeut, schränkt aber ein: „Ohne die Bereitschaft eines Klienten geht da gar nichts.“ Als Therapeut sei er nur ein Verstärker für eine Eigenschaft, die jeder Mensch von sich aus mitbringt: Die Autosuggestion. Mit ihr lässt sich die Angst vor Spinnen ebenso behandeln wie manche Allergien, Rauchen oder Übergewicht.

Texterkolonie_Berlin_Leipzig_Hypnose_03

Menschlicher Arm aus Stahl

So stellt sich der Redakteur dem Selbstversuch: Was kann Tomas Schröck bei mir zum Klingen bringen? Der Therapeut bleibt gelassen: Ohne Vorgespräch könne er ad hoc keine Sitzung durchführen, jedoch an der körperlichen Leistungsfähigkeit eine Vorstufe der Hypnose demonstrieren. Gesagt, geprüft: Tomas Schröck suggeriert dem redaktionellen Hypnosetester, sein ausgestreckter Arm sei ein verlängerter Teil eines Stahlpfeilers, der an der gegenüberliegenden Wand verankert ist. Na gut. Doch dann hängt sich der Therapeut mit seinem ganzen Körpergewicht in die Armbeuge des Journalisten, der weit davon entfernt ist, jemals als Kraftsportler seinen Körper gestählt zu haben. Dennoch: Der „Arm aus Stahl“ hält stand. Nach der Auflösung der Suggestion hängt sich Hypnosetherapeut Schröck nochmals in die Armbeuge – und sie gibt nach, als wäre sie aus Gummi.

Texterkolonie_Berlin_Leipzig_Hypnose_02

(Erschienen in: Leipziger Leben Nr. 1 / 2017, Leadagentur Trurnit Leipzig, Bilder: Bertram Bölkow)

Sie mögen Storytelling? Dann lesen Sie weitere Texte der Texterkolonie: