November 2017

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Tauchstation Klärwerk

Augen zu und durch: Der TauchService Naue geht im Klärwerk Rosental auf Tauchstation und bewahrt selbst im trüben Milieu die Ruhe.

Ralph Wilhelm kann die Hand vor Augen nicht sehen, als er, umgeben von Wasser und Klärschlamm, nach Verzopfungen fischt. Die langfaserigen Büschel, die an verfilzte Haare im Abfluss eines Waschbeckens erinnern, haben sich im Nachklärbecken der Kläranlage Rosental verfangen. „Dem Taucher helfen dabei die eigenen zehn Augen“, erklärt der Kollege und frühere Marinetaucher Kay Sieder und spreizt dabei seine zehn Finger.

Sieder steht derweil auf der Brücke des Beckens und hält den Kollegen Wilhelm wortwörtlich an der langen Leine. Der aus zwei Schläuchen bestehende Strang versorgt den Industrietaucher mit Sauerstoff und Funk-Anweisungen. Letztere kommen vom dritten Mann im Bunde, Industrietaucher und Einsatzleiter Denis Mirau, der sich auf dem Dach des Containers der Taucherfirma eingerichtet hat. Von dort aus hat er alles im Blick.

Benötigt Ralph Wilhelm etwa einen Hammer, dann erkennt Mirau am „Blasenbild“, wo das Werkzeug heruntergelassen werden kann. Vor jedem Einsatz muss der sogenannte Rundräumer des Beckens stillgelegt werden. Die auf Rädern befindliche Stahlkonstruktion schiebt den abgesetzten Schlamm beiseite und sorgt dafür, dass alles über eine Sogwirkung vom gereinigten Wasser abgezogen wird. Eine Gefahr für jeden Aquanauten.

Im Kontakt mit der Oberwelt

Beim ersten Tauchgang, der etwa eine Stunde dauert, beschränkt sich Wilhelm auf die Überprüfung der allgemeinen Sachlage im Becken sowie das Lösen erster Verzopfungen. Dazu steigt er mit seinem rund 80 Kilogramm schweren Taucherausrüstung zunächst in den sogenannten Königsstuhl – ein mittig aufragendes Stahlbetonbauwerk, in dem der Zu- und Ablauf für Abwasser und Klärschlamm sowie Achsen und Technik der Rundräumer verortet sind. Anschließend tappt er ins dunkle Nass des Beckens, wobei er sich mit seinen „zehn Augen“ an Taucherleine und Räumer orientiert und stete Rücksprache mit Denis Mirau an der Sprechanlage hält. „Ein Eimer voller Verzopfungen, ein verkantetes Fahrwerk und hier und da muss ein bisschen nachgestellt werden. Kriegen wir heute fertig!“ – das Resümee Miraus klingt optimistisch. Er wird für die Reparaturen und den Radwechsel gleich selbst abtauchen.

Immer in Betrieb

Doch weshalb eigentlich überhaupt tauchen – könnte man nicht einfach das Wasser ablassen, um dann trocken und bei guten Lichtverhältnissen die Anlage zu inspizieren? Könnte man. Doch dann müsste der Klärwerksbetrieb unterbrochen werden, aber diesen gilt es möglichst jederzeit zu gewährleisten. Schließlich werden im Klärwerk Rosental täglich etwa 110.000 Kubikmeter Abwasser gereinigt. Ein Abschalten der Anlage wäre aufwendig und teuer und ein funktionierendes Abwasserund Klärsystem ist bei den stetig wachsenden Einwohnerzahlen in Leipzig auch dringend erforderlich. Deshalb gehen die Wasserwerke mitunter ungewöhnliche Wege und holen sich das Know-how von Spezialisten ins Haus – oder eben ins Becken.

Seit 2011 geht die Firma TSN TauchService Naue daher jährlich in den insgesamt acht Nachklärbecken der Kläranlage Rosental auf Tauchstation.

Der frühere Sporttaucher und Leistungsschwimmer Kay Sieder ist sich seiner Verantwortung bewusst: „Letztes Jahr haben wir hier etwa einhundert Laufräder der verschiedenen Rundräumer ausgetauscht. Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Klärwerks funktioniert hervorragend, da sie wissen, wie wichtig unser Job hier ist.“

Bleiben Sie ruhig!

Ob nun in Kläranlagen, Werften, Baugruben, Kraftwerken, Talsperren oder Brunnen – jeder Schritt und Flossenschlag wird am Abend vor dem Einsatz genauestens durchexerziert. „Jede Baustelle, jeder Job ist anders. Wir müssen sehr umsichtig sein. Daher gibt es vor jedem Tauchgang eine Gefahrenanalyse und einen Rettungsplan. Aber das ist auch der Kick, die Herausforderung, die ich an meiner Arbeit so liebe“, erzählt Sieder.

Auch im Klärwerk Rosental gilt das oberste Gebot unter Tauchern: Ruhe bewahren. Schließlich hat jeder Taucher ein funktionierendes Team im Rücken. Einen am Funk, einen an der Leine und seine „zehn Augen“, die ihn schon sicher durch die dunkle, zähflüssige Masse geleiten werden.

(Erschienen in: Leipziger Leben Nr. 5 / 2017, Leadagentur Trurnit Leipzig, Bilder: Bertram Bölkow)

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Nachts ist keine Katze grau

Mit der Dämmerung verwandelt sich der Zoo in ein Rotlichtviertel. Viele nachtaktive Tiere gehen nun auf Pirsch. Leipziger Leben war mit Tierpflegerin Andrea Denick, Safarihelm und Rotlichtlampe dabei. Eine Nachtwanderung.

„Tüpfelhyänen gehören übrigens zu den Katzen. Und bei ihnen herrscht ein Matriarchat. Die Weibchen halten einen erstaunlichen Trick parat, wie sie die Paarung regulieren. Sogar Experten fällt es oft nicht leicht, hier Männlein und Weiblein zu unterscheiden.“ Diese und andere Geheimnisse hält Andrea Denick über die nachtaktiven Raubtiere bereit, die man als Zoobesucher normalerweise nur während ihrer Ruhezeiten in der Afrika-Savanne zu Gesicht bekommt. Denick ist gelernte Tierpflegerin und mittlerweile angehende Veterinärmedizinerin. Die junge Frau gehört zum Fachpersonal des Leipziger Zoos und kann viele Geschichten über die großen und kleinen Bewohner von Leipzigs berühmtem Tierreich erzählen.

Es ist 19 Uhr, es dämmert, und die Safari durch den nächtlichen Zoo kann beginnen. Zuerst begrüßen wir den neuseeländischen Vogel Unhold, ein sogenannter Kea, der gerade noch so in Umrissen zu erkennen ist und keck schnarrend in seinem Gehege sitzt.

Der Vogel heißt Unhold, weil er mit seinem Schnabel so ziemlich alles auseinandernimmt, was nicht niet- und nagelfest ist. In seiner Heimat sind das manchmal sogar Autos oder zumindest deren Außenspiegel, Scheibenwischer und Fensterdichtungen. Außen eher unspektakulär grün, offenbaren seine ausgebreiteten Flügel die Farbenpracht der untergehenden Sonne.

Zu Besuch in einer Geisterwelt

Das Besondere an einer Nachtwanderung durch den Zoo nach der offiziellen Schließzeit ist die Ruhe und eine geheimnisvolle Stimmung: Auch wenn man zum größten Teil auf bekannten Wegen wandelt, wird das Areal von der Dunkelheit verzaubert. Umrisse verschwimmen, Gebüsche wiegen sich wie zittrige Schattenwesen, das Ohr spitzt sich für jedes kleine Knacken und allerlei seltsame Geräusche und jede Windbewegung, jedes Huschen offenbart undeutlich das mögliche Geisterwesen eines Tieres, das ganz in der Nähe irgendwo wacht, döst oder in seine ureigene Traumwelt hineinschlummert. Die Tiere ziehen den nächtlichen Besucher in ihren Bann.

Und tatsächlich. Da! Plötzlich steht ein solches Geisterwesen vor uns. Wir befinden uns mitten im Himalaya. Das jüngste Areal des Leipziger Zoos wurde im August 2017 eröffnet und beherbergt in einer dem Hochgebirge nachempfundenen Felslandschaft Schneeleoparden. „Das muss Chandra sein“, sagt Andrea Denick, die mit ihrer Rotlichttaschenlampe ein sehr elegantes Katzenwesen aus der Traumdunkelheit herausleuchtet. Die Leopardendame Chandra hat uns längst bemerkt und präsentiert sich ganz geschmeidig auf ihren Pfoten – wie auf flauschigen Fellschuhen laufend.

„Das rote Licht der Taschenlampe stört die Tiere nicht so wie normales Licht“, sagt Denick. Zugleich sorgt es auch für einen besonders geheimnisvollen Effekt, als würde man mit einem Nachtsichtgerät ins Gehege schauen. Chandra wohnt hier gemeinsam mit Laura und dem Leopardenkater Onegin. Es ist der Ehrgeiz des Zoos, diese Population nicht nur zu halten, sondern auch zu vermehren. Aber Schneeleoparden sind Einzelgänger und Revierbewohner. Es kommt deshalb auf den richtigen Zeitpunkt an. Deshalb sind Männlein und Weiblein hier zwar über einen Felsendurchgang verbunden, aber es gibt eine Klappe, die so lange verschlossen bleibt, bis die Leopardendame paarungsbereit ist, was sie dann mit markanten jaulenden Geräuschen anzeigt.

Herausforderungen bei der Futtersuche

Schneeleoparden sind im Himalaya an wildschroffe Jagdgründe angepasst und man fragt sich, ob die Tiere sich hier nicht ein wenig langweilen. Die Expeditionsleiterin erklärt: „Die Tiere sind in ihrer Heimat stark gefährdet. Immer mehr Landschaft und unberührte Wildnis gehen durch menschliche Einflussnahme verloren. Schneeleoparden sind empfindlich, natürlich sollen sie beschäftigt werden. Deshalb lassen sich die Pfleger immer einiges einfallen.“ Die Fütterung wird mit kleinen Aufgaben verbunden. Das Futter wird manchmal versteckt oder erhöht an einem Baum befestigt, damit die Tiere beschäftigt sind. Manchmal verteilt man auch kleine Duftmarken von Zimt oder Tierhaar im Gelände. Dann spüren die Tiere die Geruchsquellen auf. Quirliger Nachwuchs und Aufzuchterfolge sind letztlich eine Bestätigung dafür, dass die Tiere sich wohlfühlen.

Gleich nebenan bei den Amurleoparden hat das schon geklappt.

Im April gab es hier Nachwuchs mit Leopardenzwillingen. Wir stehen in einem Durchgang vor einer Glasscheibe und werden beäugt von Großkatze Mia, die sich auch gerne mal einen Spaß daraus macht, durch plötzliches Aufbäumen gegen die Scheibe die Besucher zu erschrecken. „Tatsächlich ist das ein Spiel, bei dem sie gerne auch mal die Pfleger überrascht“, sagt meine Zooführerin. Weiter geht es zu den Löwen, die nachts im Löwenhaus nicht viel mehr tun als gemütlich zu dösen.

Elefanten haben eine Hebamme

Immer der roten Taschenlampe nach geht es weiter: Besuch bei den ganz Großen, den Elefanten. Diese Tiere schlafen im Schnitt nur etwa zwei Stunden am Tag, und das oft sogar im Stehen. Also ist es ihnen eher egal, ob es Tag oder Nacht ist. Jetzt im Elefantenhaus schnorcheln sie ein wenig im Sand umher auf der Suche nach kleinen Nahrungsresten. Elefanten sind Herdentiere. „Die Geburt ist bei Elefanten eine besonders schwierige Angelegenheit“, weiß Expertin Denick. „Es braucht immer eine erfahrene Leitkuh, die der Mutter beisteht und sie davon abhält, das Elefantenbaby unmittelbar nach der Geburt zu drangsalieren, da es ihr Schmerzen bereitet hat.“ Deshalb versucht man in Zoos für den Nachwuchs eine funktionierende Herdenstruktur mit einer erfahrenen Leitkuh zu halten, die werdenden Müttern bei der Geburt beisteht.

Trotzdem spürt man aus der Nähe die majestätische Ausstrahlung und Kraft der Tiere. Löwen werden in Zoos viel älter als in der freien Natur, wo ihr Leben zumeist aus Verdrängungsstress, hohem Verletzungsrisiko, Jagen und Kämpfen besteht. Für die perfekte Nachtsicht haben Katzen eine Spiegelschicht in ihrem Augenhintergrund, die wie ein Fahrradreflektor funktioniert. Sie können damit das Restlicht stärker nutzen und lassen deshalb auch ihre Augen durch die Nacht funkeln.

Die Nacht hat sich nun vollständig über das gesamte Areal gelegt. Wir stehen vor der dunklen Savanne des Hyänengeheges. Tüpfelhyänen sind mysteriöse, sehr soziale und äußerst beißkräftige Tiere. Wie aus dem Nichts steht plötzlich ein Tier in seiner ganzen nachtäugigen Unergründlichkeit vor uns. Wir glauben, kurzzeitig das typische Hyänenlachen gehört zu haben, als perfekte Begleitmusik für ein nächtliches Zusammentreffen. Wir erfahren: Bei Hyänen haben die Weibchen das Sagen, und sie haben auch einen maskulinisierten Geschlechtsapparat. Wenn sie sich nicht paaren will, dann erigiert sie ihren „Penis“ und das Männchen weiß Bescheid.

So gäbe es noch viele Geschichten zu erzählen, aber die Nachtwanderung neigt sich nach zwei Stunden dem Ende. Die nächtlichen Rufe des Mähnenwolfes verabschieden uns in den Abend. Eine Nachtsafari durchs Tierreich mitten in Leipzig – eine unvergessliche Erfahrung.

(Erschienen in: Leipziger Leben Nr. 5 / 2017, Leadagentur Trurnit Leipzig, Bilder: Bertram Bölkow)

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Faszination Konnektivität

Wie können Industrie, Transport, Logistik und Handel von den Möglichkeiten der Digitalisierung profitieren? OPENMATICS gibt die Antworten mit seiner
intelligenten Konnektivitätsplattform und zeigt, wie intelligente IT intelligente Prozesse vorantreiben kann. Großstädte müssen den öffentlichen Transport mit Bus und Bahn effizienter gestalten. Die Logistik sucht neue Konzepte, um Ballungszentren und ländliche Regionen schnell und transparent beliefern zu können. Der Endverbraucher erwartet, dass Unternehmen die digitalen Möglichkeiten für seine Bedürfnisse komfortabel und innovativ einsetzen. Und die Texterkolonie erklärt die Leistungen und Produkte, mit denen OPENMATICS bei exakt diesen Herausforderungen unterstützen kann.

Im Auftrag der Leadagentur mellowmessage Leipzig übernahmen die Texter aus Leipzig und Berlin die Textarbeit für die Imagebroschüre von OPENMATICS und erklärten die Philosophie des Unternehmens, das konkrete Produktportfolio und stellten zufriedene Kunden in einem flüssigen Storytelling vor. Immer wieder spannend und beeindruckend, was die IT in Zukunft möglich machen wird!

Aufgabe: Imagebroschüre
Branche: IT
Kunde: Openmatics GmbH
Leadagentur: mellowmessage Leipzig

Sie suchen Texter für Ihre Produkt- oder Imagebroschüre? Dann rufen Sie die Texterkolonie.

Die Texterkolonie Leipzig / Berlin hat unter anderem auch diese Broschüren getextet:

Text-Energie für ENSO

Die Texterkolonie (Leipzig / Berlin) füllt regelmäßig das Kundenmagazin des Energieanbieters ENSO mit spannenden Themen.

Die Energiebranche ist einem stetigen Wandel ausgesetzt – und diesen gilt es mittels kontinuierliche Kommunikation zu begleiten. Neue Verordnungen des EEG, neue Tarifänderungen, neue Produkte, neue Wettbewerber – der Bedarf an Erläuterungen und Erklärungen beim Endkunden ist groß. Kundenmagazine können diesem Bedarf entsprechen – und zugleich als Instrument zur Kundenbindung eingesetzt werden. Die Texterkolonie (Leipzig / Berlin) schreibt unter der Leadagentur Trurnit seit 2012 für das Kundenmagazin „ENSO-Magazin“ der Energie Sachsen Ost diverse Artikel.

Die Texterkolonie arbeitet auch für folgende Magazine:

Redaktion im Spannungsfeld

Die Texterkolonie (Leipzig / Berlin) übernimmt die redaktionelle Begleitung für das Kundenmagazins „WIR SIND PIRNA“ der Stadtwerke Pirna.

Die „Stadtwerke Pirna“ liefern ihren Kunden nicht nur Energie, sondern stellen ihnen weiterhin das Magazin „WIR SIND PIRNA“ mehrmals im Jahr zur Verfügung. In diesem kommuniziert der Energiedienstleister relevanten Informationen und Themen. Zum einen über das Unternehmen selbst sowie zum anderen über Menschen, Firmen und Projekte in der Stadt. Die Texterkolonie (Leipzig / Berlin) schreibt – unter der Leadagentur Trurnit – seit 2012 für das Kundenmagazin „WIR SIND PIRNA“ der Stadtwerke Pirna zahlreiche Beiträge.

Die Texterkolonie arbeitet auch für folgende Magazine:

Magazin für Mieter

Die Texterkolonie (Leipzig / Berlin) betreut die gesamte Redaktionsplanung
und -leitung des Mietermagazins „m2AGAZIN“.

Die Wohnungsgesellschaft Delitzsch (WGD) hat rund 2.800 Wohnungen im gesamten Delitzscher Stadtgebiet im Portfolio. Über deren Bewirtschaftung und Sanierung möchte die WGD ihre Mieter informieren, um sich als verlässlicher Partner zu zeigen und eine kontinuierliche Kundenbindung zu schaffen. Das zweimal pro Jahr erscheinende Mietermagazin „m²AGAZIN“, das von der Leadagentur Simons & Schreiber gestaltet und von der Texterkolonie (Leipzig / Berlin) mit Inhalten gefüllt wird, deckt diese Kommunikationsaufgaben ab – ob Portraits über Führungskräfte und Mitarbeiter, Berichte zur Fertigstellung neuer Mietobjekte oder Vor-Ort-Reportagen bei Mietern, Dienstleistern oder Gewerbekunden: die redaktionelle Umsetzung sorgt für ein gesundes Gleichgewicht aus Information und Unterhaltung.

Die Texterkolonie arbeitet auch für folgende Magazine:

Wachsendes Bewusstsein

Vor mehr als 100 Jahren kaufte Leipzig 800 Hektar Land vor den Toren Leipzigs, um hier das Trinkwasser für die Stadt zu gewinnen. Seither gehen auf dem Wassergut Canitz Landbewirtschaftung und Wasserschutz Hand in Hand – seit 25 Jahren sogar mit Bio-Standard.

Auch wenn es auf den riesigen Flächen des Wasserguts Canitz grünt und wächst, der wahre Schatz des Areals vor den Toren Leipzigs bleibt dem Betrachter verborgen, denn er liegt oder besser er fließt unter der Erde. Die Ströme des Grundwassers unterm Wassergut Canitz sind die Quelle für Leipzigs Trinkwasser, das hier zur Versorgung der Stadt Leipzig besonders streng überwacht, gepflegt, gepumpt und bewirtschaftet wird.

Kleine Farbenlehre der Felder

Es ist ein typischer Frühjahrstag im April mit frischem Wind, freundlichen Sonnenfenstern und gelegentlichem Nieselregen über den Feldern und Brunnen des Trinkwasserschutzgebietes Muldental. Dr. Bernhard Wagner steht auf einem Feld mit Luzerne und weist auf ein Feld mit Wintergetreide. „Hier sehen Sie bei den Pflanzen unterschiedliche Grüntöne. Auf den hellgrünen Flächen ist der Stickstoffanteil im Boden niedriger, auf den dunkelgrünen höher konzentriert. Daran erkennt man mit bloßem Auge, dass die Böden nicht mit mineralischem Stickstoff aufgedüngt werden.“ Der promovierte Agrarwissenschaftler ist Geschäftsführer des Wasserguts Canitz, dessen Flächen seit 1907 der Stadt Leipzig gehören. Hier wird von den Leipziger Wasserwerken besonders sauberes Grundwasser als Trinkwasser für die Stadt gewonnen und durch ökologische Landwirtschaft rein gehalten. „Im konventionellen Bereich werden üblicherweise künstlicher Dünger und Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Das ist bei uns anders, weil wir die Nitrat- und Pflanzenschutzmittelbelastung so gering wie möglich halten wollen“, sagt Wagner. Hinter dieser Aussage verbirgt sich ein ebenso ökologischer wie ökonomischer Zusammenhang, der in seinen Einzelheiten komplex, aber in seinen Prinzipien einfach ist.

Dünger besteht vor allem aus Stickstoff, der Motor für den Stoffwechsel aller Pflanzen. Der wird normalerweise durch das Aufbringen von organischem Dünger aus der Tierhaltung auf die Felder bereitgestellt oder in Form von Kunstdünger eingestreut. Bei einer übermäßigen Düngung kann zu viel davon aber in die tieferen Bereiche des Bodens und in die grundwasserführende Schicht gelangen. Schließlich findet es sich als schädliches Nitrat im Trinkwasser wieder und muss extrem aufwendig herausgefiltert werden.

Das ist bei uns anders, weil wir die Nitrat- und Pflanzenschutzmittelbelastung so gering wie möglich halten wollen“, sagt Wagner. Hinter dieser Aussage verbirgt sich ein ebenso ökologischer wie ökonomischer Zusammenhang, der in seinen Einzelheiten komplex, aber in seinen Prinzipien einfach ist. Dünger besteht vor allem aus Stickstoff, der Motor für den Stoffwechsel aller Pflanzen. Der wird normalerweise durch das Aufbringen von organischem Dünger aus der Tierhaltung auf die Felder bereitgestellt oder in Form von Kunstdünger eingestreut. Bei einer übermäßigen Düngung kann zu viel davon aber in die tieferen Bereiche des Bodens und in die grundwasserführende Schicht gelangen. Schließlich findet es sich als schädliches Nitrat im Trinkwasser wieder und muss extrem aufwendig herausgefiltert werden.

Gesunde Erträge unter und über der Erde

Nitratverringerung durch eine konsequente und wasserschutzgerechte Fruchtfolge ist ökologischer und ökonomischer als das aufwendige Herausfiltern des Nitrats und anderer schädlicher Rückstände aus Düngung und Pflanzenschutz aus dem Rohwasser. Deshalb ist die Verbindung von Grundwassergewinnung und Landwirtschaft auf ein und demselben Areal ein geniales Unternehmenskonzept. Denn es erwirtschaftet gesunde Erträge sowohl unter der Erde als auch über der Erde. Wenn man es richtig managt. Dr. Wagner erklärt: „Wir bepflanzen die Felder von Jahr zu Jahr nach einer genau ausgewählten Fruchtfolge. Es folgt pro Feld nie dieselbe Pflanze des Vorjahres. Viel mehr noch: Es dauert bis zu acht Jahren, bis eine Fruchtfolge wieder von Neuem beginnt. Es gibt Pflanzen, die über ihre Wurzeln selbst Stickstoff binden, wie zum Beispiel die Luzerne. Nutzt man sie nicht als Futtermittel, kann man sie auch unterpflügen und als natürliche Düngung benutzen.“

So wechselt pro Feld von Jahr zu Jahr der Anbau zwischen verschiedenen Winter- und Sommer-Getreidearten, Futterpflanzen, Kartoffeln, Luzerne, Erbsen, Bohnen, Zwiebeln und Zwischenfrüchten. Ein Wechselzyklus hat den wichtigen Effekt, dass in den Böden der natürliche Humus nicht abgebaut, sondern auch wieder zugeführt wird. Auf diese Weise baut sich eine sehr gute Humusschicht auf und die bakterielle Mikrofauna sowie schädliche und nützliche Insekten bleiben im Gleichgewicht. Die lange Fruchtfolge sorgt so dafür, dass Schädlinge geringere Chancen haben, die Kulturen zu befallen – der Einsatz von im Ökolandbau zugelassenen Hilfsstoffen ist daher nicht nötig. „Und aus Überzeugung auch nicht gewollt“, sagt Wagner. So sorgt die Fruchtfolge für sehr gutes Trinkwasser und hervorragende Lebensmittel der Region.

Regionale Produkte – begehrt und gern verzehrt

An diesem Tag sind erstaunlich viele Greifvögel zu sehen. Junge Bussarde und eine in der Luft kreisende Rotmilanschule deuten auf eine gesunde Umwelt hin. Der Spaziergang führt noch vorbei an einem Rinderstall, wo zufrieden wirkende Tiere gemütlich wiederkäuend auf Strohhaufen liegen. Der uüberwiegende Teil der Canitzer Erträge wird bisher weitestgehend deutschlandweit vertrieben. Wagner will aber künftig auch die Region beliefern: „Die Menschen in und um Leipzig sollen nicht nur unser frisches Trinkwasser genießen, sondern auch unsere landwirtschaftlichen Bio-Produkte.“

(Erschienen in: Leipziger Leben Nr. 3 / 2017, Leadagentur Trurnit Leipzig, Bilder: Bertram Bölkow)

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Texte für Schuhspezialist

Edle Textarbeit für ein ungewöhnlich hochwertiges Produkt: Die Website von BEAR – Maßschuhe und Radschuhe ist online, und die Texterkolonie durfte für Inhaber Manuel Bär handgefertigte Texte beisteuern. Tolles Thema, tolle Produkte, toller Typ!

Zur Website von BAER – Radschuhe handgefertigt

Die Texterkolonie hat auch diese Websites getextet:

Unsere Worte für gelehrte Orte.

Die „Vitruvius Hochschule“ für angewandte Wissenschaften mit Sitz in Leipzig und Schwerin überarbeitete ihre Onlineauftritte. Die Texterkolonie (Leipzig / Berlin) wurde erhielt den Auftrag, alle Texte dafür zu verfassen – von kurzen Informationstexten bis hin zur ausführlichen Beschreibung der Studiengänge deckten die Kolonisten dabei alles ab. Der besondere Clou: Da jeder Studiengang ebenso als Ausbildungsberuf angeboten wird, mussten hierfür zwei verschiedene Tonalitäten entwickelt werden.

Wir sprechen für Hochschulen!

Die Texterkolonie entwickelte die Texte unter anderem für die Fächer Mode-, Game- und Kommunikationsdesign. Dabei kam es darauf an, alle Details für Informationshungrige ebenso seriös als auch lesefreundlich für eine jugendliche Zielgruppe aufzubereiten. Seit Februar freuen wir uns über das gelungene Ergebnis auf den beiden Internetseiten:

Hier lernen Sie weitere Websites kennen, die die Texterkolonie getextet hat:

Vorbei am Türsteher des Unterbewusstseins

Hypnosetherapeut Tomas Schröck navigiert Patienten auf der Reise durch ihr Unterbewusstsein und kann sie dadurch von Ängsten und Lastern befreien.

Bässe wummern durch die Fassade. Das Gebäude wippt im Takt. Am Einlass: eine Menschenschlange – und der Türsteher. Sein Auge ist geschult. Wen er nach Hause schickt und wen er passieren lässt, entscheidet ein erster Impuls. Ganz ähnlich funktioniert auch unser Gehirn, sagt Hypnosetherapeut Tomas Schröck. Bei dem Leipziger kommt man ganz einfach durch die Tür. Der staatlich zertifizierte Heilpraktiker in der Leipziger Südvorstadt arbeitet in einem hellen, sachlich gehaltenen Büro, das auch einem Architekten gehören könnte. Wo sind die Glaskugeln, die schweren Samtvorhänge? „Die typischen Vorstellungen über Hypnose kommen von Halbwissen und inszenierten Bühnenshows. Mit seriöser Therapie hat das nichts zu tun“, sagt der 42-jährige Spezialist fürs Unterbewusste.

Einlass in den Club der Gedanken Hypnose ist ein Entspannungszustand, den das Gehirn täglich sogar selbst herstellt. Beim Gemüseschneiden oder beim Joggen zum Beispiel. „Entspannt wirkt das Gehirn wie ein Schwamm, den man aus einer Schraubzwinge befreit. Die Poren weiten sich und werden zugänglich für neue Inhalte. Und genau hier setze ich als Hypnosetherapeut an.“ Gemeinsam mit dem Klienten stellt Schröck Entspannungszustände her, die den Türsteher vor dem Tanzclub des Gehirns überlisten und die Tür in den Club der Gedanken öffnen sollen.

Wünsch dir was beim DJ

Doch weshalb möchte man da überhaupt hinein? „Weil man zum DJ ans Pult will, um mit ihm über die Musik zu verhandeln“, sagt Schröck. Der DJ spielt ein bestimmtes Programm ab: der Sound unseres Verhaltens, bestimmter Störungen, Zwangsgewohnheiten, Traumata oder Ängste, eingespielt von gelernten Mustern in der Vergangenheit. Denn das Gehirn ist ökonomisch. Was es gelernt hat, verwandelt es in Routinen.

Manche davon sind nützlich für das Leben, andere behindern oder belasten uns eher. Kann man also dem DJ neue Schallplatten anpreisen, damit sich der Groove des Bewusstseins ändert? Ja, kann man, sagt der Hypnosetherapeut, schränkt aber ein: „Ohne die Bereitschaft eines Klienten geht da gar nichts.“ Als Therapeut sei er nur ein Verstärker für eine Eigenschaft, die jeder Mensch von sich aus mitbringt: Die Autosuggestion. Mit ihr lässt sich die Angst vor Spinnen ebenso behandeln wie manche Allergien, Rauchen oder Übergewicht.

Menschlicher Arm aus Stahl

So stellt sich der Redakteur dem Selbstversuch: Was kann Tomas Schröck bei mir zum Klingen bringen? Der Therapeut bleibt gelassen: Ohne Vorgespräch könne er ad hoc keine Sitzung durchführen, jedoch an der körperlichen Leistungsfähigkeit eine Vorstufe der Hypnose demonstrieren. Gesagt, geprüft: Tomas Schröck suggeriert dem redaktionellen Hypnosetester, sein ausgestreckter Arm sei ein verlängerter Teil eines Stahlpfeilers, der an der gegenüberliegenden Wand verankert ist. Na gut. Doch dann hängt sich der Therapeut mit seinem ganzen Körpergewicht in die Armbeuge des Journalisten, der weit davon entfernt ist, jemals als Kraftsportler seinen Körper gestählt zu haben. Dennoch: Der „Arm aus Stahl“ hält stand. Nach der Auflösung der Suggestion hängt sich Hypnosetherapeut Schröck nochmals in die Armbeuge – und sie gibt nach, als wäre sie aus Gummi.

(Erschienen in: Leipziger Leben Nr. 1 / 2017, Leadagentur Trurnit Leipzig, Bilder: Bertram Bölkow)

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