Alles für den Puck

Alles für den Puck

Bei den EXA Icefighters werden Helden geformt – im eigenen Nachwuchs, auf dem Eis und mit Teamspirit vom Cheftrainer bis zum Eismeister.

Eishockey ist ein schneller Sport. Richtig schnell. So schnell, dass selbst das Shooting mit Kapitän Florian „Eichi“ Eichelkraut nur zwei Minuten dauern darf. Dann ein lautes „Go!“. Trainer Sven Gerike brüllt sein Kommando durch die Halle, und urplötzlich wird es ohrenbetäubend laut. Ein hundertfaches Klacken von zig Pucks, Kufen fräsen sich in die Eisschicht, Schläger krachen, dazwischen die lauten Rufe der Spieler, und alles hundertfach verstärkt durch die hallende Höhe des Kohlrabizirkus. Eines ist schon jetzt klar: Eishockey ist allein schon vom Sound her echter Kampfsport.

Die EXA Icefighters Leipzig sind das Eishockeyteam der Messestadt, hervorgegangen aus den früheren Leipzig Blue Lions. Seit dem Umzug des Teams von Taucha zurück in den Kohlrabizirkus steht die Leipziger Gruppe mit auf dem Eis – bildlich gesprochen. Denn sie unterstützt den Club als Sponsor und fieberte daher wie der gesamte Verein dem Saisonstart in der Oberliga Nord Ende September entgegen. Wer allerdings glaubt, Eishockey sei ein Sport, bei dem man mit Muskelkraft und Körpermasse punktet, wird beim Training der EXA Icefighters schnell eines Besseren belehrt. Die meisten Spieler sind keine Hünen, sondern kompakt, athletisch, wendig. Der Sport ist weniger brachial als man denkt. Beinahe schon elegant. Und wie gesagt: unheimlich schnell.

Herzblut auf und neben dem Eis

Eishockey ist in Deutschland eine Randsportart, in der Oberliga noch viel mehr als in den höherklassigen Ligen. Zum Überleben braucht ein Club wie die Icefighters neben Sponsoren und echten Fans daher vor allem eines: Herzblut. Und das fließt in den Adern von Spielern, Trainern und dem Eismeister. Es gefriert auch nicht bei den kalten Temperaturen in der Halle. Was hier jeder Einzelne auf und neben dem Eis an Zeit, Energie und Überzeugung investiert, um Verein und Club am Leben zu halten, ist fast schon heroisch. Kopf der Mannschaft ist Florian Eichelkraut, der mit seiner Erfahrung das Team junger Wilder aufs Eis führt. Ein Sport für Helden?

„Vor allem ein Sport für Kämpfer“, meint der erfahrene Ligaspieler. „Bei aller Athletik ist Eishockey dennoch eine körperbetonte Sportart. Wenn es richtig laufen soll, muss sich jeder bis zur Grenze der Belastbarkeit aufopfern. Und wer kämpft, wird auch mal zum Helden.“ Sein Trainer nennt ihn einen „Lauch“, weil er mit seinem schmalen, drahtigen Körperbau so gar nicht ins Klischee-Bild des bulligen Spielers passen will. Doch der Eindruck täuscht: In Sachen Kraft und Koordination hat der Kapitän mit die besten Werte, und er ist einer, der sein Team motivieren kann. Ein Wortführer, der alle mitzieht, immer gewinnen will und inzwischen zur Identifikationsfigur für das Leipziger Eishockey geworden ist.

Kampfsport auf Kufen

Wer gewinnen will, muss kämpfen. Und wer kämpfen will, muss diesen Kampf üben. „Wir heißen nicht ohne Grund Icefighters“, erklärt Trainer Sven Gerike. „Ich will Zweikämpfe im Training sehen,auch wenn sich die Jungs nicht gegenseitig verletzen wollen. Aber ohne Härte geht nichts. Man muss auch mal draufgehen, den Körperkonktakt spüren und damit auf dem Eis klarkommen.“ Entsprechend gestaltet der ehemalige Profi die Trainingseinheiten: sehr spielorientiert, laufintensiv, körperbetont mit wenig Unterbrechungen und nur wenigen, dafür gezielten Ansagen. Die Spieler sollen ihre eigenen Entscheidungen treffen, meint er. Denn so sei es auch im Spiel. „Ich erkläre zwar gerne – aber nicht auf dem Eis, sondern später bei der Videoanalyse.“

Fantastische Nachwuchsarbeit

Der Betrieb der Anlage ist Clubsache – die siebenjährigen Knirpse, die jetzt das Eis betreten, interessiert nur eins: Eishockey. Die motivierten Kufenflitzer sind das Ergebnis einer fantastischen Nachwuchsarbeit, die in den letzten Jahren geleistet wurde. Aufgebaut wurde der Nachwuchs von Andreas Felsch, der als ehemaliger Profi im Jahr 2012 die sportliche Leitung des Jugendbereichs im Eishockey übernahm. „Der Nachwuchssport war damals im Prinzip nicht existent, wir begannen bei Null“, erinnert sich der sympathische Trainer. Damals startete er mit fünf Kindern – und nur sieben Jahre später ist der Verein bereits bei 120 Kids angelangt. Andreas Felsch allein würde das längst nicht mehr alleine schaffen, doch „ehrenamtliche Trainer fallen in Leipzig nicht vom Baum aufs Eis“, wie er sagt. Daher wurden auch Väter in die Pflicht genommen, die anfangs nur ein wenig Schlittschuhlaufen konnten, und gezielt weitergebildet. „Ohne diese Ehrenamtler würde unser Nachwuchsbetrieb schlicht nicht laufen“, hebt der Jugendchef die Rolle der engagierten Mitglieder hervor. Der Aufbau des Nachwuchses ist sein Baby, „und mir ist es wurscht, wie viel Arbeit und Überstunden das bedeutet. Wenn die Kinder mit strahlenden Augen vom Eis kommen, gibt mir das irre viel Kraft.“ Übrigens: von den 120 Kids sind 32 Mädchen mit von der Eispartie, die bis zur U17 in gemischten Mannschaften mitspielen.

Auf Eis wächst etwas

Andreas Felsch schaut aber auch mit Spannung auf die Entwicklung der 1. Mannschaft. Die Spieler sind den Sommer über während der Saisonpause in anderen Städten, trainieren Ausdauer, Kraft, Koordination und finden sich dann vor Saisonbeginn wieder in Leipzig zusammen. „Wir haben eine junge und wilde Mannschaft, und da schaut unser Cheftrainer Sven sehr genau, ob die Charaktere zusammenpassen. Er findet junge Spieler, die in anderen Clubs die dritte Geige spielen. Wir bauen sie auf, führen sie heran, formen sie zu Leistungsträgern und spielen mit ihnen ein intensives, offensives Spiel. Hier ensteht etwas Besonderes, da bin ich mir sicher.“ Die Vorzeichen dafür stehen auf jeden Fall gut: Nach RB Leipzig und den Handballern des SC DHfK Leipzig sind die EXA Icefighters immerhin die Nummer drei in der Sportstadt und belegten bei der letzten Wahl zu den Sportlern des Jahres zweite und dritte Plätze. Doch da geht noch mehr – mit Herzblut, Kampfgeist, und der einen oder anderen Heldentat in der neuen Saison. Soll mal noch einer sagen, auf Eis würde nichts wachsen.

(Erschienen in: Leipziger Leben Nr. 4 / 2019, Leadagentur Trurnit Leipzig, Bilder: Bertram Bölkow)

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